Laufclub in Wolfenbüttel

Klaus kommentiert – Die Laufkolumne

Der Läufer Klaus Ahrens ist beim Hannover-Marathon vor Zuschauern in der Stadt unterwegs.
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Klaus im Ziel beim Hannover-Marathon. Foto: BlueLiner

Hannover! 

Für mich ist und bleibt Hannover gesetzt und eine der ersten und besten Adressen – zumindest was das Laufen angeht.

(ka) – Hannover ist im allgemeinen Imageranking deutscher Städte nicht ganz vorne zu finden. Wenn man dann auch noch aus Braunschweig kommt, verliert man noch seltener ein gutes Wort über die Landeshauptstadt Niedersachsens. Aber heute ist alles anders. Heute wird Hannover in den Himmel gelobt, und zwar zurecht. Denn heute geht es um den Hannover-Marathon.

Zugegeben, in der Läuferszene hat Hannover noch nie einen wirklich schlechten Ruf genossen, wurde aber dennoch nie in einem Atemzug mit Hamburg, Berlin oder Frankfurt genannt. Warum eigentlich? Die Veranstaltung war meiner Meinung nach schon immer top organisiert, die Strecke schon immer schön und vor allem schnell und das Hannoveraner Publikum vor allem in der List schon immer sehr lebendig und motivierend.

Seit 2006 laufe ich jedes Jahr in Hannover – angefangen mit 10 km, seit 2012 den Halbmarathon. Und dann kam Corona und die Zwangspause. Und in dieser Phase hat Hannover schon viel fürs Image getan und ich habe große Unterschiede zu anderen Veranstaltungen festgestellt.

Es fing an mit einer sehr persönlichen, sogar emotionalen Absage und Abwicklung durch den Veranstalter Eichels Event. Im Gegensatz zu anderen Läufen wurde den Läufern mehrere Optionen angeboten und natürlich waren viele schnell bereit, das Startgeld zumindest teilweise zu spenden. Ganz anders zum Beispiel in Köln, wo mir anstatt der rheinischen Fröhlichkeit eine Sturheit und Kälte entgegenschlug, die man laut Vorurteil eher in Niedersachsen erwartet.

Sei es drum – die Art und Weise in Hannover war einfach gut beziehungsweise deutlich besser.

Und nach zwei Ausfällen in 2020 und 2021 konnte es nun endlich wieder losgehen. Das ein oder andere kleinere Rennen bin ich in den Corona-Jahren noch gelaufen, aber nicht zu vergleichen mit einer echten Lauf-Großveranstaltung wie in Hannover. Ich war richtig aufgeregt und nervös. Beim Packen der Tasche musste ich erst mal die Restbestände Squeezies entsorgen, die vor zu langer Zeit abgelaufen und hart geworden waren. Klares Zeichen für eine lange Zeit ohne Rennen. Viel zu früh bin ich dann los und konnte so nicht nur einen nahe gelegenen Parkplatz am Aegi ergattern, sondern hatte auch noch freie Bahn auf die Anmelde-Counter. Corona-technisch top organisiert – dieses Mal ohne Zelt für die Anmeldung und Läufermesse, dafür alles outdoor vor dem Rathaus. Gut gelöst. Obwohl es wirklich kalt war, kam die Sonne bis zum Start immer wieder raus. Langarmshirt und kurze Hose waren also genau richtig – der Rest der nötigen Wärme kam vom Publikum.

Das Gefühl beim Startschuss war unfassbar gut. Links und rechts anfeuernde Menschen und ich mittendrin in einer Läuferschar, die sich aufmachte, 21,1 km zu absolvieren. Ich hatte mir nicht allzu viel vorgenommen und wollte das Rennen genießen. So konnte ich viel mehr vom Rand aufnehmen und habe festgestellt, wie großartig das Hannoveraner Publikum drauf war. Eine enorme Zahl an Trommel-Combos und Musikboxen, viele Kleingruppen mit Kaffeetisch oder kleinem Biergedeck zum zweiten Frühstück und natürlich die unzähligen Kinder am Straßenrand, die einem entweder kreative selbstgebastelte Motivationspappen oder einfach ihre Hand zum Abklatschen hinhielten. Unfassbar schön.

Das gute Gefühl begleitete mich bis auf die Zielgerade, die ich dann glückselig überqueren konnte. Ach ja, aufgrund von Corona-Nachwirkungen durfte ich nicht auf Anschlag zu gehen. Und trotzdem stand am Ende eine Zeit knapp unter 1:34 auf meiner Laufuhr. Ok, weit weg von meiner eigentlichen Zielzeit von 1:28, aber was macht das schon. Dieses Mal, nach Corona, nach so langer Zeit ohne großes Laufevent, kam es nicht auf die Zeit an. Es kam darauf an, dabei zu sein, die Stimmung aufzusaugen und den Lauf zu genießen. Das sahen übrigens alle Laufkollegen so, die ich im Zielbereich beim traditionellen, alkoholfreien Erdinger getroffen habe. Es ist schön, dass es wieder losgehen konnte – und das in Hannover, der eigentlich grauen, langweiligen Stadt an der Leine, die so aufblühen kann, wenn es ums Laufen geht. Für mich ist und bleibt Hannover gesetzt und eine der ersten und besten Adressen – zumindest was das Laufen angeht – und über Fußball oder andere Rivalitäten wollen wir heute nicht sprechen

Mit sportlichen Grüßen

Läufer Klaus

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